VIML: Informiertes Maschinelles Lernen für die Zerspanung

VIML ist ein Forschungsprojekt von Fraunhofer IWU und Fraunhofer ITWM zur Entwicklung wissens- und datenbasierter Vorhersagemodelle für Werkzeugverschleiß und Werkstückqualität in Zerspanungsprozessen. Dazu kombiniert VIML Prozess- und Sensordaten mit formalisiertem Expertenwissen im Ansatz des Informierten Maschinellen Lernens (IML).

Das Forschungsprojekt VIML nutzt Informiertes Maschinelles Lernen (IML), um Sensordaten und Expertenwissen für die Prognose von Werkzeugverschleiß, Oberflächenqualität und Prozessanomalien in der Zerspanung zu kombinieren.
VIML kombiniert Sensordaten aus dem Zerspanungsprozess mit formalisiertem Expertenwissen, um mittels Informiertem Maschinellen Lernen (IML) Werkzeugverschleiß, Werkstückqualität und Prozessanomalien vorherzusagen.

Welches Problem löst VIML?

Für industrielle Zerspanungsprozesse stehen häufig nur begrenzte und wenig variierende Trainingsdaten zur Verfügung. Gleichzeitig können Prozessrauschen undkomplexe Wechselwirkungen zwischen Werkzeug, Werkstoff und Maschine die Vorhersage von Verschleiß und Qualität erschweren.

Hinzu kommen Herausforderungen im Werkzeug- und Formenbau:

  • Fachkräftemangel und demografischer Wandel: Erfahrungswissen muss langfristig gesichert werden.
  • Hoher Wettbewerbsdruck: Fertigungsprozesse müssen kontinuierlich optimiert werden.
  • Begrenzte Trainingsdaten: Klassische Machine-Learning-Verfahren benötigen häufig große Mengen hochwertiger Daten.
  • Prozessrauschen: Schwankungen erschweren zuverlässige Vorhersagen.

VIML untersucht deshalb, wie strukturiertes Expertenwissen genutzt werden kann, um ML-Modelle auch für datenarme und verrauschte Fertigungsprozesse nutzbar zu machen.

Was ist Informiertes Maschinelles Lernen?

Informiertes Maschinelles Lernen (IML) kombiniert maschinelle Lernverfahren mit domänenspezifischem Expertenwissen. Im Projekt VIML werden dafür Informationen aus dem Zerspanungsprozess mit systematisch erfasstem und formalisiertem Fachwissen verbunden.

Verwendete Informationsquellen

Prozessdaten

Expertenwissen

Spindelleistung

Erfahrungswissen von Zerspanungsexperten

Schnittkräfte

Werkzeughersteller-Know-how

Vibrationen

Prozessregeln

Temperaturdaten

Werkstoffwissen

Schnitt- und Vorschubparameter

Fertigungsrichtlinien

Maschinenzustände

Wissen über Verschleißmechanismen und Prozessgrenzen

 

Durch die Kombination beider Informationsquellen können Vorhersagemodelle auch dann belastbare Ergebnisse liefern, wenn nur wenige Trainingsdaten verfügbar sind oder die Prozesse starken Schwankungen unterliegen.

Welche Größen werden mit VIML prognostiziert?

Im Fokus stehen zwei zentrale Zielgrößen:

Zielgröße

Anwendungsbereich

Werkzeugverschleiß

Schruppen und Schlichten

Oberflächenqualität

Schlichten

 

Darüber hinaus werden Methoden zur automatischen Anomalieerkennung entwickelt. Damit sollen beispielsweise ungewöhnliche Prozesszustände, Werkzeugschäden oder Maschinenabweichungen frühzeitig erkannt werden.

Wie funktioniert der VIML-Ansatz?

Die Entwicklung erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Anwendungsfälle und Zielgrößen definieren
  2. Eingangs-, Prozess- und Qualitätsgrößen bestimmen
  3. Versuchsanlage und Messsysteme für die Datenerfassung qualifizieren
  4. Expertenwissen erfassen und formalisieren
  5. Sensordaten und Expertenwissen im IML-Modell kombinieren
  6. Vorhersagemodelle validieren
  7. Modelle auf weitere Werkstoffe und Werkzeuge übertragen
  8. Anomaliedetektion und multikriterielle Prozessoptimierung integrieren

Klassisches Machine Learning und Informiertes Machine Learning im Vergleich

Merkmal

Klassisches ML

Informiertes ML

Trainingsdaten

Hoher Datenbedarf

Expertenwissen ergänzt die Datenbasis

Expertenwissen

Keine systematische Integration

Direkte Integration in die Modellbildung

Datenarme Prozesse

Eingeschränkte Einsatzmöglichkeiten

Für datenarme Anwendungen geeignet

Prozessrauschen

Kann die Modellgüte beeinträchtigen

Prozesswissen kann die Modellbildung ergänzen

Wissenssicherung

Nicht im Fokus

Digitale Formalisierung von Expertenwissen

Was entsteht im Projekt?

Als Projektergebnis entsteht ein praxisnaher Softwareprototyp für die ML-gestützte Fertigungsüberwachung.

Der Prototyp soll:

  • Werkzeugverschleiß und Werkstückqualität prognostizieren
  • Prozessanomalien automatisch erkennen
  • multikriterielle Prozessoptimierung unterstützen
  • den Einsatz von Machine Learning auch in datenarmen Fertigungsumgebungen ermöglichen.

Welchen Mehrwert bietet VIML?

Der Ansatz verbindet Sensordaten, Expertenwissen und maschinelles Lernen in einem gemeinsamen Modellierungsansatz. Daraus ergeben sich insbesondere folgende Potenziale:

  • präzisere Vorhersagen bei begrenzten Trainingsdaten
  • frühzeitige Erkennung von Werkzeugverschleiß und Prozessanomalien
  • datenbasierte Optimierung von Zerspanungsprozessen
  • digitale Sicherung und Nutzung von Expertenwissen
  • Reduzierung von Ausschuss und Verbesserung der Prozesssicherheit