Roboterkalibrierung mit optischen Messsystemen

Was ist eine Roboterkalibrierung?

Die Roboterkalibrierung ist ein Mess- und Berechnungsverfahren zur Verbesserung der absoluten Positioniergenauigkeit von Industrierobotern. Dabei werden geometrische und kinematische Abweichungen erfasst und in einem kalibrierten Robotermodell berücksichtigt.

Durch die Kalibrierung stimmt das digitale Robotermodell genauer mit den realen Eigenschaften des Roboters überein. Dies verbessert die Präzision von Fertigungs-, Bearbeitungs-, Montage- und Prüfprozessen.

Warum ist die Kalibrierung von Industrierobotern notwendig?

Auch moderne Industrieroboter weichen im realen Betrieb von ihren Sollwerten ab.

Häufige Ursachen für Genauigkeitsfehler

Ursache

Auswirkung

Fertigungstoleranzen

Abweichungen zwischen Modell und realem Robotersystem

Mechanischer Verschleiß

Veränderung der Achs- und Gelenkgeometrie

Temperaturänderungen

Thermisch bedingte Positionsfehler

Fundament- und Aufstellungsfehler

Verschobene Roboterbasis

Produktionseinflüsse

Langfristige Änderungen des Systemverhaltens

Vorteile der Roboterkalibrierung

Eine Kalibrierung verbessert die Übereinstimmung zwischen virtuellem Robotermodell und realem Industrieroboter.

Nutzen für Unternehmen

  • Höhere absolute Positioniergenauigkeit
  • Verbesserte relative Wiederholgenauigkeit
  • Reduzierung von Prozessschwankungen
  • Weniger Nacharbeit und Ausschuss
  • Höhere Prozessstabilität
  • Präzisere Offline-Programmierung
  • Schnellere Inbetriebnahme neuer Anlagen
  • Verbesserte Planbarkeit von Bearbeitungsprozessen

Für welche Anwendungen eignet sich die Roboterkalibrierung?

Besonders relevant ist die Kalibrierung bei Prozessen mit hohen Anforderungen an die Bahn- und Positionsgenauigkeit.

Branche

Typische Anwendung

Metallverarbeitung

Fräsen, Bohren, Entgraten

Automobilindustrie

Montage- und Bearbeitungsprozesse

Luftfahrt

Präzisionsbearbeitung großer Strukturbauteile

Maschinenbau

Automatisierte Fertigung und Montage

Werkzeugbau

Hochgenaue Bearbeitungsaufgaben

Messtechnik

Prüf- und Inspektionsprozesse

 

Wie erfolgt die Roboterkalibrierung am Fraunhofer IWU?

Die Forschungsgruppe »Umgebungswahrnehmung und Bewegungsadaption« am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU führt die vollständige Kalibrierung von Industrierobotern durch.

Leistungsumfang

  • Geometrische Modellierung der Roboteranlage
  • Kinematische Modellierung des Roboters
  • Automatisierte Generierung optimaler Kalibrierposen
  • Optische Vermessung des Roboters
  • Identifikation von Modellabweichungen
  • Berechnung der Kalibrierparameter
  • Erstellung eines kalibrierten Robotermodells
  • Integration des Modells in die Kundenumgebung
  • Validierung der erreichten Genauigkeit

Eingesetzte Messtechnik

Für die Roboterkalibrierung werden optische Präzisionsmesssysteme eingesetzt.

 

System

Funktion
Kalibriertes, tragbares Trackingsystem auf Basis von Stereo Vision Hochpräzise optische Positionsbestimmung
Mobiler Taststift Taktile 3D-Messungen an Referenzpunkten
Mobiler Laserlinienscanner 3D-Messung anhand von Punktwolken von Teilbereichen
Analyse- und Modellierungssoftware Berechnung der Kalibrierparameter und Modellanpassung

 

Die komplette Messtechnik wird durch das Fraunhofer IWU bereitgestellt.

Ablauf eines Kalibrierprojekts

Kalibrierprojekte werden in der Regel als mehrtägige Kurzprojekte durchgeführt.

Schritt 1: Vermessung beim Kunden vor Ort

  • Aufbau der Messausrüstung, Befestigen von Messtargets
  • Aufnahme definierter Roboterpositionen
  • Erfassung der Bewegungsdaten im Produktionsumfeld über die Messtargets

Schritt 2: Auswertung und Modellanpassung am Fraunhofer IWU

  • Auswertung der Messdaten
  • Ermittlung geometrischer Abweichungen der Messtargets
  • Ermittlung kinematischer Parameter und deren Abweichungen

Schritt 3: Bereitstellung des kalibrierten Robotermodells

  • Erstellung des korrigierten Robotermodells
  • Integration in die bestehende Systemumgebung
  • Validierung der erreichten Genauigkeit
Roboterkalibrierung mit Referenzmarken zur Bestimmung kinematischer Parameter eines Industrieroboters.
Ablauf der Roboterkalibrierung: Bewegliche Roboterkomponenten werden mit Messmarken versehen und zusätzliche Referenzmarken im Arbeitsraum platziert. Aus dem Tracking der Marken in verschiedenen Roboterposen werden die kinematischen Parameter berechnet.

Ergebnis der Roboterkalibrierung

Das wichtigste Ergebnis ist ein kalibriertes Robotermodell, das die tatsächlichen geometrischen und kinematischen Eigenschaften des Roboters genauer beschreibt als die werkseitige Standardparametrierung. Dadurch können Bewegungen präziser geplant, Fertigungsprozesse zuverlässiger ausgeführt und virtuelle Programmierungen besser auf reale Produktionsbedingungen übertragen werden.

 

Kalibrierter Roboter vs. Werkseinstellung

Merkmal

Werkseinstellung

Kalibriertes Modell

Abbildung realer Robotereigenschaften

Standardisiert

Individuell vermessen

Absolute Genauigkeit

werksseitig optimiert für die reine Roboterkinematik

optimiert für das Gesamtsystemverhalten inkl. Peripherie

Offline-Programmierung

Höhere Abweichungen möglich

Höhere Übereinstimmung mit realem Verhalten

 

FAQ zur Roboterkalibrierung

Welche Roboter können kalibriert werden?

Grundsätzlich können Industrieroboter kalibriert werden, deren Positions- oder Bahnbewegungsgenauigkeit für Fertigungs-, Montage-, Bearbeitungs- oder Prüfaufgaben verbessert werden soll.

Muss die Produktion während der Kalibrierung stillstehen?

Der Einfluss auf den Produktionsbetrieb hängt vom jeweiligen Projekt ab und wird vor Beginn der Vermessung abgestimmt.

Welche Daten liefert die Kalibrierung?

Die Kalibrierung liefert Parameter zur Beschreibung geometrischer und kinematischer Abweichungen sowie ein kalibriertes Robotermodell für die weitere Nutzung im Engineering und Betrieb.

Warum ist ein kalibriertes Robotermodell wichtig?

Ein kalibriertes Robotermodell reduziert die Differenz zwischen virtueller Planung und realer Roboterbewegung und verbessert dadurch die Prozesssicherheit.