In-Trace: Markerfreie Bauteilidentifikation mit elektromagnetischen Material-Fingerprints

In-Trace ist ein Forschungsprojekt zur markerfreien Identifikation von Blechbauteilen. Elektromagnetische Messverfahren erfassen charakteristische intrinsische Materialeigenschaften eines Bauteils. Aus den Messdaten wird ein individueller Material-Fingerprint erzeugt, der zur Identifikation des Bauteils und damit zur durchgängigen Rückverfolgbarkeit (Traceability) genutzt werden kann.

Was ist das Ziel von In-Trace?

Ziel von In-Trace ist die industrielle Validierung der markerfreien Bauteilidentifikation unter realistischen Produktionsbedingungen. Das Verfahren wird zunächst in einer Kaltumformprozesskette des automobilen Karosseriebaus untersucht.

Dabei soll die Identifikation auch unter typischen Störeinflüssen zuverlässig funktionieren:

  • variierender Sensorabstand
  • Temperaturdrift
  • Verschleiß
  • plastische Deformation

Für die industrielle Validierung werden folgende Zielwerte angestrebt:

Zielgröße Zielwert
Erkennungsrate mindestens 99 %
Messzeit pro Bauteil weniger als 0,5 Sekunden

Wie funktioniert die markerfreie Bauteilidentifikation?

Klassische Kennzeichnungen wie Etiketten, Barcodes, Druckmarkierungen oder RFID-Tags werden bei In-Trace durch ein intrinsisches Identifikationsmerkmal ersetzt.

Das Verfahren basiert auf vier Schritten:

  1. Elektromagnetische Messung
    Charakteristische Materialeigenschaften des Bauteils werden erfasst.
  2. Material-Fingerprint
    Aus den Messdaten wird ein individueller Material-Fingerprint als digitale Identität des Bauteils abgeleitet.
  3. KI-basierte Auswertung
    Methoden der künstlichen Intelligenz, beispielsweise Siamese Networks, ordnen Messdaten dem passenden Material-Fingerprint zu.
  4. Bauteilidentifikation
    Der erkannte Fingerprint ermöglicht die eindeutige Identifikation des Bauteils innerhalb der Prozesskette.
Prozesskette zur markerfreien Identifikation von Blechbauteilen mit elektromagnetischen Material-Fingerprints von der Ausgangsmaterial- bis zur Fertigteilprüfung.
In-Trace identifiziert Blechbauteile anhand ihrer intrinsischen elektromagnetischen Material-Fingerprints über die gesamte Prozesskette – vom Ausgangsmaterial bis zum Fertigteil.

Warum ist der Ansatz für die Blechverarbeitung relevant?

In vernetzten Fertigungsprozessen müssen Bauteile über mehrere Prozessschritte hinweg eindeutig identifizierbar bleiben. Klassische Kennzeichnungen können durch Umformen, Beschichten, Verschleiß oder Veränderungen der Oberfläche beeinträchtigt werden.

Der In-Trace-Ansatz untersucht deshalb, ob die aus dem Material abgeleitete Identität auch nach solchen Prozessschritten erhalten bleibt.

Welche Ergebnisse wurden bisher erreicht?

In Voruntersuchungen an Realbauteilen wurden Erkennungsraten von bis zu 100 Prozent erreicht. Die Untersuchungen zeigen zudem, dass die Material-Fingerprint-basierte Identifikation auch nach plastischer Umformung und Veränderungen der Bauteiloberfläche erhalten bleiben kann.

Die bisherigen Ergebnisse bilden die Grundlage für die industrielle Validierung des Verfahrens.

Welchen Nutzen bietet In-Trace für Unternehmen?

Eine erfolgreiche Umsetzung kann Unternehmen eine markerfreie, nichtoptische Bauteilidentifikation ermöglichen. Daraus ergeben sich insbesondere folgende Anwendungsmöglichkeiten:

  • durchgängige Rückverfolgbarkeit von Bauteilen 
  • Verknüpfung von Bauteil-, Prozess- und Qualitätsdaten 
  • bauteilspezifische Prozess- und Qualitätskontrolle 
  • Grundlage für digitale Produktpässe 
  • Unterstützung von Anwendungen der Kreislaufwirtschaft 

Im Unterschied zu Kennzeichnungslösungen mit Etiketten, Barcodes oder RFID-Tags ist keine zusätzliche Kennzeichnung des Bauteils erforderlich.

Industrielle Validierung und Transfer

In-Trace wird für die industrielle Validierung und den Transfer in die Anwendung weiterentwickelt. Gesucht werden Industriepartner, die das Verfahren unter realen Produktionsbedingungen erproben und neue Anwendungsfelder erschließen möchten.

Sie interessieren sich für eine markerfreie Rückverfolgbarkeit von Bauteilen oder sehen einen möglichen Anwendungsfall in Ihrer Produktion? Kontaktieren Sie uns.

Publikationen zum Thema

Jahr
Year
Titel/Autor:in
Title/Author
Publikationstyp
Publication Type
2024 Nondestructive material characterization and component identification in sheet metal processing with electromagnetic methods
Wolter, Bernd; Straß, Benjamin; Jacob, Kevin; Rauhut, Markus; Stephani, Thomas; Riemer, Matthias; Friedemann, Marko
Zeitschriftenaufsatz
Journal Article
2022 Verfahren zur Identifikation eines Bauteils
Jacob, Kevin; Straß, Benjamin; Stephani, Thomas; Riemer, Matthias; Scheffler, Sören
Patent
Diese Liste ist ein Auszug aus der Publikationsplattform Fraunhofer-Publica

This list has been generated from the publication platform Fraunhofer-Publica

Eckdaten zum Projekt

Laufzeit
Juli 2026 bis Juni 2029

Koordination
Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP

Fördermittelgeber
BMFTR

Projektpartner

  • Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP
  • Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU
  • Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM