Projekt DiziPro
Viele Industriegebäude in Deutschland – insbesondere in strukturschwachen Regionen – stehen leer oder weisen erhebliche energetische und bauliche Defizite auf. Gleichzeitig fehlen häufig digitale Bestandsdaten sowie transparente Informationen zu Materialien und Nutzungspotenzialen. Dies erschwert fundierte Entscheidungen über Sanierung, Rückbau oder Nachnutzung und führt dazu, dass wertvolle Ressourcen ungenutzt bleiben, während gleichzeitig hohe CO2-Emissionen durch Neubau entstehen.
Das Projekt DiziPro entwickelt eine offene, KI-gestützte Plattform zur ganzheitlichen Erfassung, Analyse und Bewertung industrieller Bestandsgebäude mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft. Ziel ist eine teilautomatisierte und transparente Entscheidungsunterstützung für Kommunen, Projektentwickler, Planungsbüros und Industrieunternehmen.
Hierfür werden historische Bauakten, Prüfberichte und Genehmigungen mithilfe spezialisierter KI-Verfahren analysiert und strukturiert digitalisiert. Parallel dazu entsteht aus 3D-Punktwolken und vorhandenen Gebäudedaten ein BIM(Building Information Modeling)-basiertes Bestandsmodell als geometrische und bauteilbezogene Grundlage. Die daraus gewonnenen Informationen werden in ein semantisches Wissensmodell überführt und mit dem BIM-Modell verknüpft. Auf dieser integrierten Datenbasis entsteht ein digitaler Gebäudezwilling, der historische und aktuelle Gebäudedaten zusammenführt und mit Simulationsmodellen sowie einer entscheidungsunterstützenden Bewertungslogik gekoppelt ist.
Auf dieser Basis ermöglicht die Plattform simulationsgestützte Bewertungen der Energieeffizienz, des Materialbestands, potenzieller Schadstoffbelastungen sowie von Wiederverwendungspotenzialen und deren ökologischen Auswirkungen. Sanierungs-, Rückbau- oder Nachnutzungsszenarien können dadurch sowohl ökonomisch als auch ökologisch miteinander verglichen werden.
DiziPro schafft damit neue digitale Grundlagen für eine zirkuläre Bauwirtschaft. Kommunen erhalten bessere Planungsinstrumente für die Revitalisierung von Industriebrachen, Unternehmen können Standorte ressourceneffizient weiterentwickeln, und Planungsakteure profitieren von standardisierten digitalen Bestandsmodellen. Perspektivisch ist der Ansatz auf weitere Gebäudetypen übertragbar und leistet einen Beitrag zur Klimaneutralität sowie zur nachhaltigen Transformation des Bausektors.
Laufzeit
Februar 2026 bis Januar 2029
Koordination
Fraunhofer IWU
Fördergeber
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
Projektpartner