3D-FiberTrain ist ein Forschungsprojekt zur Entwicklung einer werkzeuglosen Fertigungskette für großformatige thermoplastische Faserverbundbauteile. Die Prozesskette verbindet Large Scale Additive Manufacturing (LSAM), gezielte Endlosfaserverstärkung, FEM-basierte Bauteilauslegung, Topologieoptimierung und automatisierte spanende Nachbearbeitung.
Die Technologie wurde anhand von Demonstratorbauteilen für den Schienenfahrzeugbau, unter anderem für den Hochgeschwindigkeitszug ICE 3neo, erprobt.
Merkmal |
3D-FiberTrain |
Technologie |
Large Scale Additive Manufacturing (LSAM), Endlosfaserverstärkung und digitale Bauteilauslegung |
Werkstoff |
Thermoplastische Faserverbundwerkstoffe |
Fertigungsprinzip |
Additiver Bauteilaufbau ohne konventionelle Formwerkzeuge |
Bauteile |
Großformatige und belastbare Komponenten |
Anwendungsbereich |
Insbesondere Schienenfahrzeugbau |
Demonstratoren |
Unter anderem Bugnasen und Frontschürzen für den ICE 3neo |
Bauteilauslegung |
FEM und Topologieoptimierung |
Nachbearbeitung |
Automatisierte spanende Bearbeitung |
Ziel von 3D-FiberTrain ist es, die Herstellung großformatiger und belastbarer Faserverbundbauteile insbesondere für Prototypen, Klein- und Mittelserien sowie Ersatzteile wirtschaftlicher zu gestalten.
Im Mittelpunkt steht der additive Bauteilaufbau ohne konventionelle Press- oder Gussformen. Dadurch können Bauteilgeometrien digital angepasst und Fertigungsprozesse flexibler auf unterschiedliche Bauteile ausgelegt werden.
Die Prozesskette ermöglicht:
Die Leistungsfähigkeit der entwickelten Fertigungskette wurde anhand eines großformatigen Demonstrators für den Schienenfahrzeugbau untersucht. Der eingesetzte 3D-Drucker verfügt über einen Bauraum von 5 m × 4 m × 3 m. Der Demonstrator hatte Abmessungen von etwa 1,5 m × 1,8 m × 2 m und ein Gewicht von 103 kg.
Für den Demonstrator wurden modifiziertes glasfaserverstärktes Polycarbonat als Matrixwerkstoff und UD-Tapes-Endlos-Glasfasern zur lokalen Verstärkung eingesetzt. Der Anteil der Endlosfasern betrug 1,5 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht.
KennZahl |
Wert |
|---|---|
Bauraum des 3D-Druckers |
5 m × 4 m × 3 m |
Abmessungen des Demonstrators |
ca. 1,5 m × 1,8 m × 2 m |
Bauteilgewicht |
103 kg |
Matrixwerkstoff |
modifiziertes glasfaserverstärktes Polycarbonat |
Fasertyp |
UD-Tapes-Endlos-Glasfaser |
Faseranteil |
1,5 Gew.-% |
Druckrate |
11 kg/h |
Druckdauer |
22 h |
Der Demonstrator wurde mit dem Ziel gefertigt, eine konventionelle Herstellungstechnologie durch einen werkzeuglosen additiven Fertigungsprozess zu ersetzen. Im Fokus stand daher nicht die Gewichtsreduzierung, sondern die Herstellung des großformatigen Bauteils ohne konventionelle Form.
Mechanische und brandschutztechnische Anforderungen
Der Demonstrator erfüllt die Sicherheitsanforderungen an die Festigkeit nach DIN EN 12663-1. Darüber hinaus wurden die Brandschutzanforderungen HL2/HL3 nach DIN EN 45545-2 erfüllt.
Werkzeugloser Bauteilaufbau
Für den additiven Aufbau werden keine konventionellen Press- oder Gussformen benötigt. Das kann insbesondere bei Prototypen, Klein- und Mittelserien sowie Ersatzteilen den Werkzeugaufwand reduzieren.
Belastungsgerechte Materialverteilung
Die Kombination aus FEM-basierter Bauteilauslegung, Topologieoptimierung und lokaler Endlosfaserverstärkung ermöglicht eine gezielte Anpassung von Material und Verstärkung an die mechanischen Anforderungen des Bauteils.
Flexible Geometrieanpassung
Änderungen an der Bauteilgeometrie können auf digitaler Ebene vorgenommen werden. Im Vergleich zu Fertigungsverfahren mit festgelegten Formwerkzeugen können dadurch Designänderungen ohne die Herstellung eines neuen Formwerkzeugs umgesetzt werden.
Großformatige additive Fertigung
Large Scale Additive Manufacturing (LSAM) ermöglicht den additiven Aufbau großvolumiger thermoplastischer Bauteile. Das Verfahren eröffnet insbesondere für große Komponenten neue Möglichkeiten in der werkzeuglosen Fertigung.
Thermoplastische Werkstoffbasis
Thermoplastische Matrixsysteme können Vorteile für eine spätere Wiederverwertung bieten. Die tatsächliche Recyclingfähigkeit hängt unter anderem vom eingesetzten Werkstoffsystem und dem Aufbau des Faserverbundbauteils ab.
Kriterium |
Konventioneller Faserverbundbau |
3D-FiberTrain |
|---|---|---|
Werkzeuge |
Je nach Verfahren sind Form- oder Presswerkzeuge erforderlich |
Additiver Bauteilaufbau ohne konventionelle Formwerkzeuge |
Geometrieänderungen |
Änderungen können neue oder angepasste Werkzeuge erfordern |
Anpassung der digitalen Bauteilgeometrie möglich |
Faserverstärkung |
Je nach Verfahren flächige oder schichtweise Verstärkung |
Lokale Endlosfaserverstärkung entlang relevanter Lastpfade |
Bauteilauslegung |
Abhängig vom jeweiligen Faserverbundverfahren |
Kombination aus FEM und Topologieoptimierung |
Matrixsystem |
Je nach Verfahren duroplastische oder thermoplastische Matrix |
Thermoplastische Matrixsysteme |
Typischer Einsatz |
Je nach Verfahren und Stückzahl |
Besonders interessant für Prototypen sowie Klein- und Mittelserien |
Die im Projekt 3D-FiberTrain entwickelte Prozesskette verbindet mehrere aufeinander abgestimmte Entwicklungsschritte:
Materialauswahl → Materialcharakterisierung → Bauteilsimulation → Topologieoptimierung → großformatiger 3D-Druck → gezielte Endlosfaserverstärkung → spanende Nachbearbeitung → mechanische Prüfung.
Das Fraunhofer IWU bringt gemeinsam mit dem Fraunhofer IMWS seine Expertise in ausgewählte Schritte dieser Prozesskette ein.
Werkstoffauswahl und Werkstoffcharakterisierung
Für die jeweilige Anwendung werden geeignete thermoplastische Matrixsysteme und Faserverstärkungen ausgewählt. Mechanische und weitere werkstofftechnische Prüfungen liefern Materialkennwerte für die spätere Bauteilauslegung und Simulation.
Simulation des 3D-Druckprozesses
Simulationen unterstützen die Planung des additiven Fertigungsprozesses. Dabei können unter anderem Bauteilgeometrie, Fertigungsstrategie und Prozessparameter aufeinander abgestimmt werden.
FEM-basierte Bauteilauslegung
Die Finite-Elemente-Methode (FEM) wird eingesetzt, um mechanische Belastungen und Verformungen zu analysieren. Die Simulation liefert die Grundlage für eine belastungsgerechte Auslegung des Bauteils.
Topologieoptimierung und Endlosfaserverstärkung
Die Topologieoptimierung ermittelt, wo Material für die mechanische Belastbarkeit benötigt wird. Hochbelastete Bereiche können anschließend gezielt mit Endlosfasern verstärkt werden. Dadurch entsteht eine lokal an die Belastung angepasste Faserverbundstruktur, anstatt das gesamte Bauteil mit einer gleichmäßigen Verstärkung auszulegen.
Großformatiger 3D-Druck mit LSAM / FGF
Beim Large Scale Additive Manufacturing (LSAM) werden großvolumige Bauteile additiv aus thermoplastischem Material aufgebaut. Je nach Prozess wird das Ausgangsmaterial beispielsweise in Form von Granulat verarbeitet (Fused Granulate Fabrication, FGF). Der additive Aufbau ermöglicht die Fertigung großer Geometrien ohne konventionelle Formwerkzeuge.
Mechanische Bauteilprüfung
Zum Abschluss werden Bauteile und Demonstratoren unter definierten mechanischen Belastungen geprüft. Die Messergebnisse werden mit den Ergebnissen der Simulation verglichen und zur Bewertung der Bauteilauslegung und Prozesskette genutzt.
3D-FiberTrain wurde für großformatige Komponenten im Schienenfahrzeugbau erprobt. Zu den Demonstratorbauteilen gehören unter anderem die Bugnase und Frontschürzen für den Hochgeschwindigkeitszug ICE 3neo.
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Das Fraunhofer IWU unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung geeigneter additiver Fertigungsprozesse. Sprechen Sie mit uns über Ihre Anwendung.
Laufzeit
September 2023 bis Juni 2026
Koordination
HÖRMANN Vehicle Engineering GmbH
Fördermittelgeber
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Förderkennzeichen
19I23008C
Projektpartner