ECOHEAT: Energieeffizientes Presshärten dicker Blechzuschnitte für den automobilen Leichtbau

ECOHEAT ist ein Forschungsprojekt zur Entwicklung energieeffizienter Erwärmungsstrategien für das Presshärten dicker Blechzuschnitte. Im Mittelpunkt stehen dicke Patchbleche, die lokal zur Verstärkung von Karosseriebauteilen eingesetzt werden. Durch eine gezielte Kombination aus Induktionserwärmung und konventioneller Ofenerwärmung soll der Energiebedarf beim Presshärten um mehr als 30% gesenkt und gleichzeitig eine hohe Bauteilfestigkeit erreicht werden.

Projektziel und Konzept

ECOHEAT untersucht, ob dicke Patchbleche energieeffizient austenitisiert und anschließend so abgeschreckt werden können, dass sich ausreichend Martensit für eine hohe lokale Festigkeit bildet. Das übergeordnete Konzept verbindet zwei Ziele:

  • Lokale Bauteilverstärkung dort, wo besonders hohe Belastungen auftreten
  • Reduzierter Materialeinsatz, indem das Trägerblech durch die lokale Verstärkung dünner ausgelegt werden kann

Dadurch sollen Karosseriebauteile insgesamt leichter werden, ohne an Crashperformance zu verlieren. Durch die lokale Verstärkung hochbelasteter Fahrzeugbereiche können dünnere Trägerbleche eingesetzt werden, was Leichtbaukonzepte im Automobilbau unterstützt.

Induktives Vorheizen, Bauteilcharakterisierung und Prozesssimulation für energieeffizientes Presshärten von Patchblechen im ECOHEAT-Projekt
Induktives Vorheizen, Bauteilcharakterisierung und gekoppelte Prozesssimulation für das energieeffiziente Presshärten von Patchblechen.

Technologischer Ansatz

ECOHEAT kombiniert verschiedene Erwärmungsverfahren innerhalb des Presshärtungsprozesses:

Technologie

Untersuchungsziel

Ofenerwärmung

Referenzprozess

Induktionserwärmung

Energieeinsparung und Prozessbeschleunigung

Unterschiedliche Spulengeometrien

Optimierung der Wärmeverteilung

Variierende Prozessparameter

Verbesserung der Bauteilqualität

Unterschiedliche Blechgrößen und Dicken

Skalierbarkeit des Verfahrens

Untersuchte Werkstoffe und Beschichtungen

Das Projekt analysiert presshärtbare Stähle mit verschiedenen Beschichtungssystemen:

Beschichtung

Untersuchungsfokus

AlSi (Aluminium-Silizium)

Verhalten während der Induktionserwärmung

Zn (Zink)

Beschichtungsstabilität und Bauteilqualität

 

Ein zentrales Forschungsziel besteht darin, die Beschichtungen trotz schneller und lokaler Erwärmung zuverlässig zu erhalten.

Messbare Projektergebnisse

  • Energieeffizienz: >30% Energieeinsparung im Erwärmungsprozess beim Presshärten von Patchblechen
  • Crashperformance: >10% höhere Energieaufnahme in Crashtests realer Bauteile mit dickem Patchblech
  • Simulation und Vorhersage: >5% höhere Prognosegenauigkeit durch gekoppelte Mikrostruktur-Prozess-Simulationen
  • Prozessstabilität: Entwicklung von Induktionsparametern für AlSi- und Zn-beschichtete pressgehärtete Stähle

Vorteile für die Automobilindustrie

Vorteil Nutzen
Geringerer Energieverbrauch Reduzierte Produktionskosten
Reduzierte CO₂-Emissionen Nachhaltigere Fertigung
Höhere Crashsicherheit Verbesserter Insassenschutz
Dünnere Trägerbleche Fahrzeugleichtbau

Warum sind dicke Patchbleche interessant?

Dicke Patchbleche ermöglichen eine lokale Verstärkung hochbeanspruchter Fahrzeugbereiche, ohne das gesamte Bauteil schwerer auszuführen. Dadurch können Materialeinsatz reduziert, Bauteilgewicht gesenkt, crashrelevante Bereiche gezielt verstärkt und Leichtbaupotenziale besser ausgeschöpft werden.

Erwärmungsstrategie: Induktion plus Ofen

Im Zentrum steht eine gezielte Kombination aus:

  • Induktionserwärmung (berührungslos, lokal fokussiert)
  • Konventioneller Ofenbeheizung (gleichmäßige Grundtemperatur)

Untersucht werden unterschiedliche Spulengeometrien und Prozessparameter, um die Erwärmung dicker Blechzuschnitte so zu steuern, dass die Austenitisierung vollständig und homogen genug erfolgt, die anschließende Martensitbildung im Werkzeug sichergestellt ist, die Beschichtungen (AlSi und Zn) nicht beschädigt werden und der Energieverbrauch im Vergleich zu reinen Ofenprozessen deutlich sinkt.

Eckdaten zum Projekt

Laufzeit
September 2026 bis August 2028

Koordination
Fraunhofer IWU

Fördermittelgeber
BMWE über die AiF im Rahmen von IGF/CORNET 

Projektpartner

  • FOSTA
  • Fraunhofer IWM
  • Kocaeli Chamber of Industry (KSO), Türkei
  • Kocaeli University, Türkei