Mit neuem Therapiesystem Skoliose bei Kindern wirkungsvoller behandeln

Problemstellung

Achtzig Prozent der Kinder in Deutschland weisen laut einer Erhebung des Deutschen Gesundheitsamtes Haltungsschäden auf. Etwa 125 000 Heranwachsende ab dem zehnten Lebensjahr sind sogar von einer krankhaften Wirbelsäulenverkrümmung, der sogenannten Skoliose, betroffen. Eine notwendige Behandlung dieser Erkrankung ist körperlich anspruchsvoll und erfordert einen hohen personellen Aufwand.

Lösung

In Ländern wie Polen und Spanien werden bereits teilautomatisierte Systeme nach der FED-Methode (Fixation, Elongation, Derotation) eingesetzt, die die Übungen einfacher machen und den Therapeuten körperlich entlasten. Bislang sind diese Geräte aber noch nicht ausgereift. Ingenieure der TU Dresden und des Fraunhofer IWU haben das Systems verbessert und dabei Erfahrungen der Therapeuten und Patienten berücksichtigt. Darüber hinaus wurden verschiedene technische Lösungen entwickelt.

Die gerätegestützte Skoliosetherapie mit FED, auf der das Gerätekonzept aufbaut, basiert auf der Mobilisierung der Wirbel, der Stimulation des Knochenwachstums, der Muskelkräftigung und der Verbesserung der sensomotorischen Kontrolle. Besonders wichtig war den Ingenieuren eine offene Bauweise des Therapiegeräts, die die kleinen Patienten nicht einengt. Herzstück des Gerätes ist ein integriertes multisensorisches Feedbacksystem, das auf die Bewegungen des Patienten reagiert. Dadurch werden sowohl die kognitiven als auch die sensomotorischen Fähigkeiten während der Behandlung optimal angesprochen. Letztendlich führt die Summe der Verbesserungen dazu, dass die Patienten bei einem geringeren Trainingsaufwand und gleichzeitiger Stärkung der Langzeitmotivation schneller lernen, ihre Körperhaltung zu korrigieren und diese auch im Alltag anzunehmen. Dieses Gerätekonzept erhielt im Jahr 2018 den Otto-von-Guericke-Preis der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF). 

Das Konzept wurde inzwischen durch einen modularen Ansatz erweitert, mit dem sich anwendungsspezifische Gerätekonfigurationen zusammenstellen lassen. Die Entwicklungskosten für neue Therapieanwendungen können damit deutlich gesenkt werden. Integriert sind jetzt ein patientenindividueller Therapieansatz und Sensoren für die Therapiekontrolle, um die jungen Patienten spielerisch zum Mitmachen zu motivieren. Neben der Skoliosebehandlung nach der sogenannten FED-Therapie (Fixation, Elongation, Derotation) wurde als Gerätekonfiguration auch die Korsettsimulation betrachtet. Ziel dieser Simulation ist die physische Nachstellung der Belastungssituation für die Skoliosekorrektur, um nach digitaler Abformung ein passendes Korsett, z. B. durch 3D-Druckverfahren, herstellen zu können.