Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0

Digitalisierung als größte Chance für den sächsischen Mittelstand

Unter Federführung der Technischen Universität Chemnitz erarbeitet das »Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Chemnitz – Digital produzieren und arbeiten in Sachsen« in einem interdisziplinären Partnerkonsortium Industrie-4.0-Lösungen speziell für kleine und mittlere sächsische Unternehmen. Aufgrund seiner langjährigen Expertise widmet sich das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU innerhalb des Konsortiums insbesondere dem Maschinen- und Anlagenbau. Dabei hat das interdisziplinäre Team nicht nur technische Aspekte wie Maschinen, Steuerungen oder IT-Systeme im Blick, sondern auch die durchgängige Digitalisierung und organisatorische Lösungen zur Einbindung und Unterstützung des Menschen in der Produktion. Ziel ist es, den sächsischen Mittelstand für Industrie 4.0 durch Seminare, Workshops und informierende Online-Angebote zu sensibilisieren, einzubinden und fit zu machen. Über die Projektlaufzeit von 3 Jahren sollen mehr als 1000 Unternehmen des produzierenden mittelständischen Gewerbes direkt angesprochen werden.

Chancen für Mehrwert nutzen

»Digitalisierung und Industrie 4.0 sind keine Modeerscheinungen, sie werden die Produktion nachhaltig verändern – auch im Mittelstand«, sagt Professor Matthias Putz, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU. »Damit bietet sich wieder eine große Zukunftschance für den sächsischen Mittelstand. Potentiale für Mehrwert werden jedoch noch zu wenig genutzt, da kleine und mittelständische Unternehmen oft noch nicht über die nötigen Kenntnisse und Ressourcen verfügen. Das wollen wir ändern, gemeinsam mit den sächsischen Unternehmen und unseren Projektpartnern«. Zu diesen Partnern zählen neben der TU Chemnitz das ICM - Institut Chemnitzer Maschinen- und Anlagenbau e. V., die TUCed - Institut für Weiterbildung GmbH sowie die Industrie- und Handelskammer Chemnitz.

Kommunikation und Qualifikation

Dr.-Ing. Tino Langer, Abteilungsleiter Digitalisierung in der Produktion am Fraunhofer IWU, sieht das neue Kompetenzzentrum vor allem als Kommunikationsangebot: »Um den sächsischen Mittelstand bei der dringend erforderlichen Digitalisierung zu unterstützen, muss er zunächst die Möglichkeiten und Chancen kennenlernen, die sich ihm damit bieten. Daher klären wir beispielsweise über ganz grundlegende Fragen auf: Was ist Industrie 4.0 überhaupt? Welche Potenziale bietet sie mir als Mittelständler? Wie lässt sich die Produktion per Digitalisierung effizienter gestalten und wie lässt sich damit Geld verdienen? Unternehmen müssen die Digitalisierung als Chance verstehen und nicht als zwingende Entwicklung, die gerade en vogue ist. Das Kompetenzzentrum stellt wichtige Informationen bereit, um die Sensibili­sierung des sächsischen Maschinen- und Anlagenbau aktiv voranzutreiben, aber auch Ansätze zur Qualifizierung und Unterstützung von Unternehmen. Über reine Informationsangebote hinaus realisieren wir dazu praxisnahe Umsetzungsprojekte«.

Ein weiterer wichtiger Baustein des Kompetenzzentrums sind Thementage und Präsenztrainings für Führungskräfte. So bietet das Fraunhofer IWU im ersten Projektjahr gemeinsam mit der TU Chemnitz zwei Mal den Thementag »Smart Factory für KMU« an. Dabei lernen sächsische Unternehmer Hard- und Software-Lösungen aus der Chemnitzer E3-Forschungsfabrik des Fraunhofer IWU kennen. »Diese Lösungen sind speziell für die Anwendungen in kleinen und mittleren Unternehmen abgestimmt«, so Dr. Langer.

Bundesweit elf Kompetenzzentren

Das Chemnitzer Kompetenzzentrum ist eines von bundesweit elf seiner Art. Diese fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bis 2019 im Rahmen der Initiative »Mittelstand 4.0 – Digitale Arbeits- und Produktionsprozesse«. Die Aufgabe der Kompetenzzentren besteht darin, aktuelles, praxisrelevantes Wissen zur Digitalisierung und Anwendung von Industrie 4.0 zusammenzuführen, weiterzuentwickeln und »in die Sprache« des Mittelstandes zu übersetzen. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstandes in einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft zu sichern. Die Kompetenzzentren sind Ansprechpartner für kleine und mittlere Unternehmen. Sie zeigen Lösungsansätze für die Umsetzung von Industrie 4.0 sowie für eine digitale Strategie auf. Praxisbeispiele demonstrieren, wie sich die Produktion von der Mechanik bis in die IT-Systeme vernetzen lässt. Die Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren begleiten darüber hinaus Unternehmen bei der Entwicklung neuartiger Produkt- und Geschäftsmodelle und helfen bei der Erschließung neuer Geschäftsbereiche.