Wiederverwendbare Mund-Nasen-Masken aus der Oberlausitz mit geringem Atemwiderstand

Im Frühjahr 2020 entwickelte das Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz (FKO) in Zittau eine 3D-gedruckte Atemschutzmaske mit wechselbarem Filter, weil zu Beginn der Corona-Pandemie die Versorgungslage bei professionellen Schutzmasken sehr angespannt war. Insbesondere Pflegepersonal, Ärzte und Rettungssanitäts-Dienste waren damals auf die schnelle Versorgung mit virendichten Masken vom Typ FFP2 und FFP3 dringend angewiesen.

Parallel begann am FKO – zusammen mit zwei Unternehmen aus der Oberlausitz – die Entwicklung einer sicheren, wiederverwendbaren Atemschutzmaske für die Serienproduktion in Deutschland. Sie schützt bei geringerem Atemwiderstand besser als gängige FFP2-Masken, lässt Brillen nicht beschlagen und verfügt über einen umweltfreundlichen Wechselfilter. Seit Jahresbeginn 2021 kann die ›O-Mask‹ erworben werden.

Herr Professor Scholz, Sie waren am FKO für das Konzept, die Fertigung der Prototypen und die Tests der neuen Maske verantwortlich. Wie unterscheidet sich die ›O-Mask‹ von der Maske aus dem Frühjahr 2020?

Die Maske aus dem Frühjahr 2020 war eine unter hohem Zeitdruck entwickelte 3D-gedruckte Maske, die wir beispielsweise an schutzbedürftige Bürgerinnen und Bürger sowie Vereine im Raum Zittau aus Mangel an gängigen Schutzmasken herausgegeben hatten. Jetzt haben wir mit der ›O-Mask‹ ein Serienprodukt mit einer Vielzahl an Innovationen für den Massenmarkt. So können unsere Partnerunternehmen die nach wie vor hohe Nachfrage nach Schutzmasken besser bedienen – und das mit einem Produkt aus Deutschland, aus der Oberlausitz.

Welche Partner haben Sie?

Wir am FKO waren Partner für Forschung und Entwicklung der Orga.nico GmbH aus Großdubrau, die u.a. spezialisiert ist auf den Vertrieb von Medizinprodukten, und für die HPF GmbH aus dem Bereich Werkzeugbau und Spritzgießen, die ebenfalls in Großdubrau ansässig ist. Die HPF GmbH produziert die ›O-Mask‹ im Spritzgießverfahren und Orga.nico übernimmt den Vertrieb sowie das Marketing für das Produkt.

Was ist das Neue an der ›O-Mask‹?

Die ›O-Mask‹ vereint viele Innovationen in sich. Sie besteht aus hautverträglichem thermoplastischen Elastomer (TPE), welcher im Spritzguss verarbeitet wird. Die Maske passt sich gut der Gesichtsform an, sodass sie dicht anliegt und Brillengläser nicht beschlagen. Der verwendete Atemluftfilter lässt sich herausnehmen und wechseln. Die Maske ist also wiederverwendbar, was gut für die Umwelt ist. Das Besondere der ›O-Mask‹ ist jedoch der geringe Atemwiderstand bei gleichzeitig hoher Filterwirkung, die über dem Grenzwert gängiger FFP2-Masken liegt. Das wird durch einen speziellen Faltfilter ermöglicht, der eine hohe effektive Filteroberfläche aufweist. Die ›O-Mask‹ ist zudem waschbar und selbststerilisierend. Viren und Bakterien werden auf ihrer Oberfläche bis zu fünf Mal schneller abgebaut.

Wofür steht das ›O‹ im Namen?

Der Buchstabe ist uns im Entwicklungsprozess einfach oft begegnet. Dafür, dass man mit der Maske verhältnismäßig gut Luft bekommt, steht das Sauerstoff-Symbol ›O2‹, unser Partner Orga.nico hat sogar zwei ›O‹ im Namen und schließlich kommt die Maske aus unserer Heimat, der ›O‹berlausitz.

Für welche Einsatzgebiete ist die Maske gedacht?

Wir arbeiten gegenwärtig an der Zertifizierung als FFP2-Maske. Dieser Prozess zieht sich jedoch noch eine Weile, bedingt durch die deutlich höheren Hürden einer wiederverwendbaren Maske. Wir hoffen auf eine offizielle Freigabe bis zum Sommerbeginn. Bis dahin kann die ›O-Mask‹ online erworben und als sogenannte ›Community-Maske‹ bei der Arbeit, beim Einkaufen oder beim Sport getragen werden.

© Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
›O-Mask‹ – Die Atemschutzmaske aus der Oberlausitz. Prof. Sebastian Scholz (links), Rico Fahr (mitte) und Sepp Härtel (rechts) vom Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz haben sie mitentwickelt.